Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte

Das älteste Messer Nordhorns

von Alois Brei

Dr. Heinz Specht war Arzt in Nordhorn. Eines Tages lud er einen Besucher zu einer kleinen Demonstration ein. Mühelos öffnete der Doktor einen Briefumschlag. Dabei benutzte er keinen Brieföffner, sondern einen länglichen Stein mit scharfen Kanten. Der Stein sah aus, als hätte man an verschiedenen Stellen kleine Stücke weg geschlagen und die Kanten geschärft.

Der Gast staunte nicht schlecht. “Wo kummst du doar doch too?”, fragte er auf Plattdeutsch. Dr. Specht erzählte von seinem Hobby. In seiner Freizeit suchte er überall in der Grafschaft nach Spuren der ersten Menschen in dieser Gegend. Dabei hatte er dieses Messer aus der Steinzeit gefunden. Es war etwa 6000 bis 7000 Jahre alt.

Vor etwa 12 000 Jahren war die letzte Eiszeit zu Ende. Die Vereisung hatte unser Gebiet zwar nicht mehr erreicht, aber noch immer war es bitterkalt. Doch bald eroberte die Natur ihren Lebensraum zurück. Flechten und Moose breiteten sich langsam wieder aus. Bald fanden sich auch Tiere ein, die sich von diesen Pflanzen ernährten.

Diesen Tieren folgten kleine Gruppen von Menschen, in Felle gehüllt, in armseligen Zelten wohnend, die aus Stangen, Fell und Laub errichtet wurden. Die Zelte konnte man schnell abbrechen und an einer anderen Stelle neu aufbauen. Diese Menschen waren Nomaden, sie blieben nie lange an einem Ort. Sie lebten von der Jagd auf Rentiere, vom Fischfang und vom Sammeln von Früchten und Beeren.

Für die Jagd nutzten sie das Material, das die Natur ihnen bot. Speere, Lanzen, Pfeile und Bögen waren aus Holz. An die Spitzen banden die Menschen mit den Sehnen erlegter Tiere Klingen und Pfeilspitzen, die sie mühselig aus Stein herstellten. Weil in dieser Zeit viele Werkzeuge aus Stein angefertigt und gebraucht wurden, nennt man sie Steinzeit.

Vor etwa 7000 Jahren wurden aus den Jägern und Sammlern schließlich Bauern, die vom Anbau von Pflanzen und vom Halten von Tieren lebten. Ihre Werkzeuge waren immer noch vorwiegend aus Stein. Das Messer, das Dr. Specht gefunden hatte, war 11,5 cm lang. Es lag zwei Meter tief im Boden. Vielleicht hatte es einst ein Steinzeitjäger verloren. Wind und Wetter und die Bearbeitung des Bodens hatten es mit immer neuen Schichten überdeckt.

Das Steinmesser war noch so scharf, dass man damit nicht nur Briefe öffnen konnte. Einmal hatte es Dr. Specht benutzt, um die erbsengroße Warze eines Patienten zu entfernen.

Bild: Jahrbuch des Heimatvereins 1972

Quelle: Heinz Specht, Das älteste Messer Nordhorns, Jahrbuch des Heimatvereins 1972

-  

Hamsterkiste Verlag Neuenhaus - Alle Rechte vorbehalten