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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Die
Reformation in der Grafschaft
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Noch vor 500 Jahren waren alle Menschen in der Grafschaft Bentheim
katholisch. Doch dann kam es zur Spaltung der Kirche, die sich auch in der
abgelegenen Grafschaft auswirkte.
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1517 schlug Martin Luther an die Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen
an, in denen er an der Praxis und der Lehre der katholischen Kirche eindeutige
Kritik übte. Er weigerte sich, seine Thesen zu widerrufen. Deshalb wurde er aus
der Kirche ausgeschlossen. Doch seine Lehre fand immer mehr Anhänger, die sich "Lutheraner"
nannten. Auch einige Grafschafter Pastoren wie zum
Beispiel der Uelser Pastor Hasenhart und der Bentheimer Hofprediger Johann
van Loen waren eifrige Verfechter der neuen Lehre.
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Pastor Bernd Krechting aus Gildehaus und einige Arbeiter aus den
Steinbrüchen zogen nach Münster und schlossen sich dort den Wiedertäufern an.
Diese führten die Gütergemeinschaft und die Vielehe ein.
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Pastor
Krechting war einer der Räte in der Hofordnung des "Königs" Jan van
Leiden. Sein Bruder Heinrich brachte es gar zum Kanzler. Doch die Wiedertäufer
hielten sich nicht lange. Sie wurden von Truppen des Bischofs Franz von Waldeck
aus Münster verjagt, ihre Anführer gefangen genommen, grausam gefoltert und
hingerichtet. Die Leichen von Jan van Leiden, Bernd Knipperdolling und Bernd
Krechting wurden im Januar 1536 in eisernen Körben an der Lambertikirche
aufgehängt.
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Bernd Krechting
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Die
Auseinandersetzungen um die richtige Religion gingen einher mit sozialen
Unruhen. In Ringer Weusten hielt sich der Wiedertäufer Jan Kuiper auf, der aus
Münster geflohen war. Er schickte einige Anhänger nach Zwolle, Deventer und
Gelderland, die dort die Lehren der Wiedertäufer verbreiten sollten. Zwei von
ihnen wurden gefangen genommen und in Deventer gehängt.
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In der Niedergrafschaft lehnten sich Bauern, die sich die "frommen
Kinder van Emmelenkamp" nannten, gegen die niederländischen Grundherren
der Gegend auf. Sie schnitten Kühen die Hälse ab und zündeten Kornspeicher
an. Es soll auch zu Bluttaten gekommen sein.
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Der
Bentheimer Graf
Arnold I. lehnte die Lehren Luthers zunächst ab. Als einer der größten
Landbesitzer der Gegend hatte er jedoch soziale Unruhen besonders zu fürchten.
Um ihnen entgegen zu wirken und unter dem Einfluss seiner Frau und seines
Vetters Konrad von Tecklenburg rief er 1544 alle Prediger der Grafschaft nach
Bentheim. Die Versammlung beschloss schließlich "die Abschaffung der
päpstlichen Religion, der Messopfer, Prozessionen, Anrufung der Heiligen
usw." und bekannte sich zur Augsburger Konfession.
In
dieser Erklärung hatten sich 1530 eine Reihe deutscher Fürsten zu den Lehren
Luthers bekannt.
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Martin
Luther
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In
den alten Kirchen wurden nun Gottesdienste nach dem Ritus der Lutheraner
gefeiert. Die Gemeinden Engden und Drivorden, einige adlige
Familien und die Klöster Frenswegen und Wietmarschen blieben weiter
katholisch. Vorläufig ließ man in allen Kirchen die Hochältare und den
Kirchenschmuck unverändert. Das sollte sich erst 44 Jahre später ändern.
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Quelle: Das
Bentheimer Land, Heimatkunde eines Grenzkreises, hrsg. von Heinrich Specht,
Nordhorn 1934
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