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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Der
Dreißigjährige Krieg in der Grafschaft
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Der
Dreißigjährige Krieg, der 1618 mit dem berühmten „Prager Fenstersturz“
begann, war nicht zuletzt durch Auseinandersetzungen zwischen katholischen und
protestantischen Fürstenhäusern verursacht. Der Krieg verlor im Laufe der Zeit
jede politische Logik. Schließlich überzogen Kriegsunternehmer, heute würde
man sie „warlords“ nennen, das Land mit sinnlosem Gemetzel, mal diesen, mal
jenen Herren dienend, meistens auf persönlichen Vorteil bedacht. Sie waren unfähig
zum Frieden und am Ende verloren fast alle. Besonders jedoch litt die einfache
Bevölkerung in den Landstrichen, über die die Furie des Krieges hinwegbrauste.
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"Die Schrecken des
Krieges" von Jacques Callot
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Auch
die Grafschaft Bentheim war mehrfach betroffen. Heinrich Specht berichtet in der
"Heimatkunde eines Grenzkreises":
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Aus
Süddeutschland erschienen Tillys Scharen, aus den Niederlanden die Spanier
unter dem Grafen von Anhalt. Kaiserliche, schwedische, lüneburgische, hessische
Truppen durchzogen die Grafschaft. Ein Trupp hauste schlimmer als der andere.
Nordhorn, Neuenhaus und Schüttorf verloren ihre Festungswerke und ihren
Wohlstand. ...
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Ein
besonders hartes Schicksal ereilte Nordhorn. Um Martini 1622 erschienen die
Mansfelder (1). Die Wagenmeister zogen mit ihrem Tross in die
Wirtschaften und zechten auf Kosten der Stadt. Sie begehrten und erhielten 40
Tonnen Bier. In Schule und Rathaus vergnügte sich die Leibgarde an edleren
Stoffen.
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Um
Jacobi 1623 floh der bei Stadtlohn geschlagene Christian von Braunschweig (2)
nach Bentheim und forderte Brot, Wein und Gold. Im August 1623 wohnte der Graf
von Anhalt auf der Nordhorner Burg. Im September folgte ihm Leutnant Assenburg
mit 350 Pferden, 287 Soldaten, 17 Frauen und 60 Jungen. Die
Einquartierungskosten beliefen sich auf 8.883 Reichstaler. ... Der Rat schätzte
die Plünderungsverluste auf 16.870 Reichstaler. ...
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Herzog Christian von
Braunschweig, der "tolle Halberstätter"
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Nach
Pastor Sartorius suchten 1634 kaiserliche Kriegsvölker unter Barcus de Suise
die Stadt heim. Was an Kleidern, Hausgeräten, Kühen suw. noch aufzutreiben
war, führten sie nach Münster fort. Kinder von 10 - 12 Jahren entrissen sie
den Eltern und lieferten sie erst nach Herausgabe des letzten versteckten
Notgroschens an die hinter ihnen herschreienden Angehörigen wieder aus.
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Obwohl
der Pfarrer zweimal 50 Taler für die Verschonung der Kirche zahlte, drangen die
Soldaten doch in das Gotteshaus ein, nahmen alles mit, was niet- und nagellos
war und zertrümmerten das Gestühl. Der Schaden betrug 14.755
Reichstaler.
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Den
Heeren folgte die Seuche auf dem Fuße. 1636 schwang die Pest ihre Geissel über
Nordhorn. Mehr als 1000 Leute, ein Drittel der Einwohner des Kirchspiels, trug
man in einem Jahr zu Grabe. ...
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Im
Jahre 1637 rückte Rantzelo mit 2 Kompagnien ein und zündete die Stadt an; 118
Häuser gingen in Flammen auf. Nordhorn glich einem Trümmerhaufen. Viele
Einwohner flohen. ...
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Vom
Lande verlangten die durchgehenden Truppen Stroh, Hafer, Zeug und Gold. ...
Langte die Stadt das Geforderte nicht gleich heraus, so prügelten und
drangsalierten die Truppen die Bürgermeister, Richter und Vögte. Auch
verschleppte man sie wohl. So führten die Soldaten den Prior von Frenswegen und
den Richter von Nordhorn nach Coesfeld, den Pastor Bocking von Ohne nach Rheine
mit sich fort. Um Nachstellungen aus dem Wege zu gehen, flohen die
Bürgermeister von Neuenhaus, die Pfarrer Neander in Bentheim, Hoedt in Uelsen.
Beim Erscheinen plündernder Marodeure mussten die Bauerschaften von 1633 an
nach gräflicher Anordnung trommeln, was oft Hilfe herbei rief.
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Der
Güterverkehr auf den Straßen stockte. ... Die Sitten verwilderten. In
Schüttorf, wo der Rat ein Haus für einen Anker Bier weggab, wühlten Schweine
die Särge aus den Gräbern. "Die Fasten, Buß-, Bet- und Sonn- und
Feiertage werden violiert mit Fressen, Saufen und Hurenliedersingen in den
Wirtshäusern", schrieb Pastor Holstein ins Kirchenbuch.
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In
Neuenhaus wurde die Burg Dinkelrode schwer beschädigt. In der Stadt gab es
schließlich nur noch 200 Häuser. Überall herrschte Niedergang, von dem sich
das Land nur langsam erholte.
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Anmerkungen:
(1) Ernst von Mansfeld (1580-1626) war einer der
Söldnerführer im Dreißigjährigen Krieg. Ursprünglich auf Seiten der
Protestantischen Union kämpfend, diente er in der Folge mehreren, auch
katholischen Herren.
(2) Christin von Braunschweig und
Wolfenbüttel, der "tolle Halberstädter" genannt, war einer der
Heerführer, der ebenfalls auf protestantischer Seite kämpfte. 1621
stellte er ein Heer von 10.000 Mann auf. Er verwüstete die Stifte Paderborn und
Münster, von umliegenden Städten forderte er Kontributionen.
Quellen:
Das
Bentheimer Land, Heimatkunde eines Grenzkreises, hrsg. von Heinrich Specht,
Nordhorn 1934
Ludwig
Sager, Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte, Nordhorn o.J.
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