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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Der 1. Weltkrieg in einem kleinen Grafschafter
Dorf - 1915
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Teil
2 - Diese Fortsetzung der Darstellung über die Jahre des 1.
Weltkriegs in Lage beruht auf den Aufzeichnungen der Lehrer Sager und
Auf dem Kamp in der Schulchronik der Volksschule Lage. |
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Im Laufe des
Winters 1914/15 waren in Lage Landstürmer einquartiert, meistens 6 – 8
Soldaten, die von der Gastwirtschaft Lavarre aus abwechselnd Patrouillengänge
zur Grenze machten. Die Posten sollten vor allem „den außergesetzlichen
Lieferverkehr“ mit Holland verhindern. Aus dem Grenzbezirk durften nur offene
Postsendungen verschickt werden. Die Briefsendungen wurden in Bentheim geprüft.
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Im
April 1915 wurden in Brecklenkamp acht Landstürmer einquartiert. Die holländische
Regierung hatte die Ausfuhr von Nahrungsmitteln stark eingeschränkt. Mehl,
Brot, Fleisch, Hülsenfrüchte konnten die Grenzbewohner nicht mehr aus Holland
beziehen, die Überwachung war streng. Am stärksten machte sich der Mangel an
Futtermitteln bemerkbar, die Pferde bekamen keinen oder nur noch geringe Mengen
Hafer, sie mussten sich meist mit Heu begnügen. Auch die Kühe waren nicht
besser dran, denn Lein- und Baumwollsaatmehl waren schlecht und teuer. Die
Schweine bekamen keine Mehlzugabe mehr und wurden „schlank wie Hunde“. Die Hühner
erhielten kein Korn mehr, Mais war unerschwinglich teuer, somit waren Eier rar
und ihr Preis stieg.
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Der
Pferdeschmuggel aus Holland nahm stark zu. Die holländische Regierung hatte die
Ausfuhr von Pferden untersagt. Ein Nordhorner Händler wusste sich zu helfen und
holte dem Colon Bergmann aus dem benachbarten Holländisch Brecklenkamp die
Pferde nachts aus dem Stall, legte etwa 600 Mark Anzahlung in die Pferdekrippe
und verschwand. Nach zwei Tagen wurden die Pferde in Schüttorf wieder
aufgegriffen und zum rechtmäßigen Besitzer zurückgebracht. Weniger wertvolle
Pferde kosteten damals 800 – 1.200 Mark, am Handel mit ihnen konnte man 200
– 400 Mark verdienen.
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Die
Heuernte 1915 war mittelmäßig, das Heu konnte jedoch ohne große Arbeit in
kurzer Zeit eingefahren werden. In der Woche vom 21. – 26. Juni 1915 bekamen
die Kinder der Oberstufe schon um 9 Uhr frei, um bei der Heuernte behilflich
sein zu können. Zur Roggenernte im August erhielten auch einige Soldaten
Ernteurlaub, manche kamen direkt aus dem Schützengraben.
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Am
November 1915 waren in Lage insgesamt 32 Landstürmer einquartiert, die den
Grenzverkehr überwachen sollten. Die deutschen und holländischen Bauern, die Ländereien
jeweils jenseits der Grenze bewirtschafteten, waren im Besitz von Pässen, die
mit ihrer Photographie versehen waren, mit denen sie auch außerhalb der
Zollwege die Grenze überschreiten konnten. Für andere Personen war dies streng
verboten. Deutsche Gespanne, die in Holland unterwegs waren, mussten bei den
holländischen Behörden angemeldet werden. Im Herbst 1915 sammelten die
Schulkinder Eicheln und Bucheckern. Vom Erlös von 37 Mark wurden Honigstücke,
Marmelade oder Zigarren gekauft und den „Kriegern im Felde“ geschickt.
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Die
Schulchronik berichtet vom Tod des Ulanen H. H. Klifmann, der in der Garnison in
Hannover durch den Hufschlag eines störrischen Pferdes schwer verletzt wurde,
an dessen Folgen er am nächsten Morgen verstarb.
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Bauern,
deren Höfe günstig gelegen waren, profitierten reichlich vom Grenzhandel.
Obwohl die Ausfuhr von Lebensmitteln aus Holland verboten war, verdienten sich
einige Grenzanwohner damit ihren Lebensunterhalt. Ein deutscher Landstürmer
wurde bei illegalen Geschäften von holländischen Beamten angeschossen und
starb. Der Wert der Mark war gegenüber dem Gulden auf 42 Cent abgesunken.
Eingeführt wurden besonders Schweine, Kühe, Mehl, Reis, Öl, Hafer. Umgekehrt
waren Düngemittel in Holland sehr begehrt. Schwieriger, aber profitabel war der
Handel mit Pferden. Es wird von einem Pächter berichtet, der an 2 Pferden 2.300
Mark verdiente.
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Zur
Finanzierung des Krieges gab der Staat so genannte Krieganleihen aus. Auf die 4.
Kriegsanleihe zeichneten die Lager Bürger etwa 30.000 Mark. Im Unterricht wies
der Lehrer mehrfach auf die Bedeutung und Berechnung der Anleihe hin. An die
Eltern wurden Flugblätter verteilt. In persönlichen Bemühungen und
Besprechungen setzten sich der Ortsvorsteher und der Ortsgeistliche in den
Familien für die Zeichnung der Kriegsanleihe ein. Nachdem die Zeichnungen der
Eltern abgeschlossen waren, zeichneten die Schulkinder in deren Namen noch
einmal 3.400 Mark. Die Schüler der Schule Lage beteiligten sich an der von der
Regierung empfohlenen Sammlung von alten Zeitungen, sie sammelten auch die
Flocken des Wollgrases, die in Lazaretten verwendet werden sollten.
(... >>>
Fortsetzung)
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Quelle:
Lage
- Geschichte und Geschichten, herausgegeben vom Dorf-, Burg- und Mühlenfreunden
Lage e. V., Lage 2008
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