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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Uelsen
war bereits vor 1933 eine Hochburg des Nationalsozialismus
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Ähnlich
wie in anderen Grafschafter Gemeinden waren auch in Uelsen im Jahr 1933 keine spektakulären
Aktionen zur Gleichschaltung der gesellschaftlichen und politischen
Kräfte nötig. Die Mehrheit der Bevölkerung stand bereits mit deutlicher
Mehrheit hinter der NSDAP und ihren Repräsentanten. Dr.
Helmut Lensing aus Greven, zeichnet
wesentliche Fakten und Entwicklungen für das Kirchspiel Uelsen nach. Er
weist besonders darauf hin, dass es in Uelsen schon 1932 - also vor der so
genannten "Machtergreifung" - eine NDSAP-Gruppe mit mehr als 400
Mitgliedern gab, mehr als in jeder anderen Grafschafter Gemeinde.
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Schon Anfang der 1920er Jahre
gab es in Bentheim eine völkisch eingestellte Gruppe um den Arzt Dr.
Josef Ständer. Ende 1923 entstand daraus der "Völkisch
Soziale Block" (VSB), der bald etwa 60 Mitglieder zählte. Nach
der Entlassung Hitlers aus der Landsberger Festungshaft und
Wiederzulassung der NSDAP schloss sich der VSB sofort der NSDAP an. Erste
Ortsgruppen entstanden in Bentheim und Nordhorn. Bei den Wahlen 1928
erhielt die Hitler-Partei jedoch nur 2,2 % (= 445 Stimmen) auf Kreisebene.
Erst die am 14. September 1930 stattfindenden Reichstagswahlen brachte den
Durchbruch für die Nazis: Sie erhielten im Landkreis 6060 Stimmen (= 22,9
%) und wurden nur noch knapp vom "Christlich-Sozialen
Volksdienst" übertroffen, für den 6399 Stimmen (= 24,2 %) abgegeben
wurden. Der Stimmenanteil der Nationalsozialisten lag im Landkreis damit
schon deutlich über dem Durchschnitt im Reich (18,3%).
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Ab
1929 versuchte die NSDAP, sich auch in der Niedergrafschaft zu
organisieren. Die entstehenden kleinen Ortsgruppen in Emlichheim und
Uelsen galten anfangs als Untergruppen der Ortsgruppe Nordhorn. In Wilsum scheiterte die Bildung einer
Ortsgruppe zunächst. In
Neuenhaus gelang die Gründung einer eigenen Ortsgruppe am 25. November
1930.
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Im
Oktober 1932 wurden im Landkreis 15 NSDAP-Ortsgruppen verzeichnet. Die
mit Abstand stärkste Gruppe entwickelte sich in Uelsen. Im Juli
1930 wurden hier 7, im September 1930 schon 60 und Oktober
1932 mehr als 400 Mitglieder gezählt, die jedoch nicht nur in Uelsen,
sondern auch in den Nachbargemeinden
ansässig waren. In
Neuenhaus betrug die Mitgliederzahl im selben Oktober 120, in Bentheim ca.
90, in Schüttorf waren nur 50 Personen eingeschrieben.
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Und
wenn es der NSDAP einmal nicht schnell genug ging, griff man immer wieder zu Methoden
der persönlichen Diffamierung und Unterstellung. So wurde Derk Brink,
Gemeindevorsteher in Getelo und in vielen örtlichen und überörtlichen
Landwirtschaftsorganisationen hochrangig aktiv, im Januar 1932 zum Rücktritt vom Vorsitz der
Ortsgruppe Uelsen des Landwirtschaftlichen Kreisvereins gezwungen, indem
man ihm u. a. finanzielle Unregelmäßigkeiten und eine Beteiligung an
unglücklich verlaufenden Geschäften der bäuerlichen Genossenschaft
vorwarf.
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In
den Wahlergebnissen schlug sich die zunehmend NSDAP-freundliche Stimmung
im Landkreis Grafschaft Bentheim nieder. Bei den Reichstagswahlen zwischen 1924 und 1933
erhielt die Hitler-Partei hier folgende Ergebnisse:
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Stimmen
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Anteil
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Mai 1924
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888
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4,7
%
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Dezember
1924
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762
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4,0 %
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Mai 1928
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445
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2,2 %
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September 1930
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6.060
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22,9 %
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Juli 1932
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14.185
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48,8 %
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November 1932
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12.443
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44,2 %
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5. März 1933
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16.820
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53,4 %
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Zu
diesen Wahlergebnissen trugen die Ergebnisse der Gemeinden im Kirchspiel
Uelsen nicht unerheblich bei. So lag das Wahlergebnis im März 1933 für
die NSDAP in der Gemeinde Bauerhausen bei 89,3 %.
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Der
Einfluss nationalsozialistischen Gedankenguts brach 1945 nicht etwa ab. Helmut
Lensing stellt nämlich auch fest, das nach 1945 "hier ein stabiler Teil
der Bevölkerung durch ein Votum für neo-nazistische und rechtsextreme
Parteien ... noch für Jahrzehnte ihre Sympathien mit der politischen
Richtung" der Nazizeit bekundete.
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Quellen:
-
Die politische Partizipation der Bürger - Wahlen und Parteien in der
Grafschaft Bentheim, in: 250 Jahre Bentheim-Hannover, Die Folgen der
Pfandschaft, Bad Bentheim 2002, S. 127 ff
-
Die NSDAP Neuenhaus von der Gründung bis zum Sommer 1933, in: Bentheimer
Jahrbuch 2004, Bad Bentheim 2003, S. 269 ff
-
Helmut Lensing, Die NS-Kampagne gegen den Landwirtschaftsfunktionär Derk Brink
aus Getelo als ein Mosaikstein zur nationalsozialistischen Gleichschaltung
in der Grafschaft Bentheim, in: Studiengesellschaft für Emsländische
Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte Bd. 11, Haselünne
2004, S. 178-201
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