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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Das Ende
der evangelischen Jugendarbeit in Bentheim 1934
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Zeitzeugenbericht
von Pastor Hans Deters (1916-1996) |
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Wöchentlich
regelmäßig versammelten sich Jungschar und Jungvolk des CVJM .. zu ihren
Zusammenkünften. ... Die Zusammenkünfte verliefen
in der Regel mit dreißig bis vierzig Teilnehmern in einem
Dreitakt: Spiele – spannende
Geschichte – biblische Besinnung. Fahnenlieder und Kirchenlieder wurden kräftig gesungen. Außerhalb
dieser Gruppenstunden standen
Fahrten, Erste-Hilfe-Kurse, Brückenbau
in der Brechte u. a. auf dem Programm. Das geschah ohne ideologischen
Hintergrund, es machte einfach Spaß. ...
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Es
kam das Jahr 1933. Zunächst änderte sich nichts in unserer Jugendarbeit
außer einigen Abgängen in Richtung Hitlerjugend. Doch schon
Ende 1933 begann die NSDAP die christliche Jugendarbeit kritisch
zu beobachten. Mitglieder der Hitlerjugend standen zu Beginn unserer
Zusammenkünfte in Sichtweite. Sie notierten alle Teilnehmer.
Mitte
1934 rückte der Zeitpunkt der ,Gleichschaltung' heran. Das bedeutete zunächst:
Alle unsere Zusammenkünfte wurden bewacht und
abgehört. Es durften nur Choräle gesungen und biblische Geschichten
erzählt werden. Die ,Gleichschaltung' bedeutete: Nur wer
Mitglied der Hitlerjugend ist, darf weiter zu den Zusammenkünften des
CVJM gehen.
Bald
folgte der nächste Schritt: Die Dienststunden der Hitlerjugend lagen
zeitgleich mit den Zusammenkünften der Jungschar bzw.
des
Jungvolks.
So war die Selbstauflösung der christlichen Jugendarbeit die
Folge der Gleichschaltung.
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... Zeit
des Geschehens: Sommer 1934. Die Jungschar des CVJM versammelte sich unter
meiner Leitung einmal in der Woche
in der alten Küstereis. Wir spielten, wir sangen
Fahnenlieder, wir lasen spannende Geschichten und schlugen die Bibel auf.
Im Sommer 1934 wurde das anders. Der Reichs-Jugendführer Baldur von Schirach ordnete die ,Gleichschaltung'
an. Jedes Mitglied der Jungschar musste zugleich Mitglied der
Hitlerjugend werden und dort regelmäßig am Dienst teilnehmen.
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Die
Gestaltung der Jungscharstunden hatte sich auf rein kirchliche Themen zu
beschränken. Das bedeutete: Bibel, Gesangbuch und Kirchengeschichte
waren alleiniger Inhalt. Zur Überwachung hielten sich
zwei Hitlerjugend Führer ... im Windfang der Küsterei
auf, von dort konnten sie mühelos alles mithören. Kurz vor Ende
der Jungscharstunde entfernten sie sich. In der Kirchstraße standen
sie, um alle Besucher zu registrieren. Unter diesen Verhältnissen
schrumpfte die Gruppe zusammen. Es kam zur Selbstauflösung unter Tränen. Der Kirchenrat einschließlich der Pastoren hielten
sich da raus.
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Ein
Stück Erinnerung bildet die Stadtbücherei.
Im alten Rathaus ... bestand eine Bücherei. Die Lesefreudigkeit
war groß. Wöchentlich war Ausleihe. Zu den
eifrigen Leserinnen gehörte die Jüdin
Frieda Zilversmit vom Paulinenweg 11. Sie lebt heute in Israel. Bald nach
Januar 1933 setzte die Hetze ein. ,Ölbergtirolerin' wurde Frieda
genannt. Schließlich blieb sie weg. Niemand nahm sie in Schutz. Man
sah weg und schwieg.
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Quelle:
Auszüge (gekürzt) aus Hans-Jürgen Schmidt, Das Ende der evangelischen
Jugendarbeit in Bad Bentheim im Jahre 1934 - Zwei Berichte von Hans Deters (+),
Bentheimer Jahrbuch 2008, S. 195 - 198
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