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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Spurensuche
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von
Wilhelm Sager
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Ich versuchte, Verbindung aufzunehmen mit Neuenhauser Juden, die das
Inferno überstanden. Helene Salomons, die ihre Jugend und Schulzeit in
Neuenhaus verbrachte, konnte als holländische Krankenschwester während
der Zeit der deutschen Besetzung "onderdyken". Sie lebt in
Utrecht. Ein Besuch sei willkommen. Ich war bei ihr. |
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Nach
einer ersten allgemeinen Unterhaltung fragte ich nach dem Schicksal ihrer
Eltern, die im Januar 1939 nach Holland auswanderten. Nach langem Schweigen
kamen ihr die Tränen, sie stand auf und verließ den Raum. Erst bei einem
zweiten Besuch erfuhr ich, dass ihr Vater bei der Gestapo-Razzia in Amsterdam
einen Herzinfarkt erlitt, an dem er starb. Ihre Mutter wurde deportiert. Mehr
als 50 Angehörige, Freunde, nahe Bekannte seien in KZs ermordet worden. Eine
Cousine überlebte Sobibor, starb aber an Entkräftung auf dem Rücktransport.
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Frau
Pfaffendorf, geb. van der Reis, lebt in Köln; ihr Vater, Professor der
Medizin, stammt aus Neuenhaus, konnte nach einem KZ-Aufenthalt nach
Brasilien entkommen. Ich zitiere aus ihrem Brief: |
"Dies
ist der zweite Anlauf, den ich nehme, um Ihnen zu antworten. Ich habe
doch festgestellt, dass man die Dinge noch nicht verdaut hat. Seiten
habe ich wieder vernichtet, weil die Erinnerung für mich zu
schrecklich ist; mein Herz tut da nicht mehr mit. ... 1955 war mein
Vater das erste Mal wieder in Deutschland und wir besuchten Neuenhaus.
Es war ein trauriges Erlebnis, wie mein Vater durch den Heimatort
schlich. ... Ich trage keinem Neuenhauser etwas nach, irgendwann muss
mal Frieden sein. Nicht nur durch Deutschland, sondern durch die ganze
Welt ging dieser Hass; wir haben es erlebt, als wir auswandern
wollten. Dieses Für und Wider geht ja auch durch die Familien ...
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Ich
habe, wie ich meine, sehr behutsam und mit allem gebotenen Takt ein weiteres Mal
Fragen gestellt, aber keine Antwort bekommen. Mordechai Laron (früher Max
Hermann Löhnberg, Schüttorf) schrieb ... :
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"So
weit der Hass, der letzten Endes negativ und selbstvernichtend ist. Was mich
trotz allem an Schüttorf bindet, sind die Kinderjahre, das großelterliche
Haus am Markt, der Wald, aber auch die Achtung und Liebe, die so viele
Schüttorfer meinen Eltern zeigten, vor allem die so genannten
"einfachen" Leute, die eine inhärente Herzensbildung besaßen, um
auch in der Nazizeit die Wahrheit von der Verleumdung zu trennen, die
Unbestechlichen, die selbst von den Nazis verfolgt wurden, mein Klassenlehrer
Tschirley, der mir oft mit seinem Taschentuch die Tränen trocknete und der
Juden keine Untermenschen fand."
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Wir
werden dies Kapitel heute nicht zu einem Abschluss bringen können, dies Kapitel
"Juden in der Grafschaft Bentheim".
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"Der
Tod, ein Meister aus Deutschland" schreit Paul Celan in den
rauchgeschwärzten Himmel über Ausschwitz.
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Sie
können es nicht vergessen, wir dürfen es nicht vergessen.
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Quelle:
Auszüge aus dem Text "Geschichte der Juden in der Grafschaft
Bentheim" von Wilhelm Sager, Privatmanuskript, o.J.
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