|
Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
|
|
Dr. Heinrich Bernds: „...
offen Stellung bezogen“
|
|
Dr.
Heinrich Bernds war von 1935 bis 1940 als 2. Pastor der ev. ref.
Kirchengemeinde Uelsen tätig. Er versah dieses Amt neben Peter
Schumacher, dem wohl einflussreichsten Grafschafter Theologen in der
NS-Zeit. Dr. Bernds wurde 1940 nach einem politischen Strafverfahren
seines Amtes enthoben, meldete sich danach zur Wehrmacht und ist seit
April 1945 vermisst.
|
|
Heinrich
Bernds wurde am
14. Juli 1901 in
Dinslaken als 8. Kind des Gärtnereibesitzers Johann Bernds geboren. Er
besuchte die Städtische Oberschule in Oberhausen. 1921 begann er ein
Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Köln. 1927 wurde er
in Innsbruck zum Dr. rer. pol. promoviert.
Es folgte eine kurze Tätigkeit in der Industrie. Unter dem Einfluss von
Karl Barths Kommentar zum Römerbrief entschied sich Bernds für ein
Studium der Theologie, das er in Bonn, Münster, Elberfeld und
Halle absolvierte.
|
|
Nach
einem Vikariat in Nordhorn und Uelsen war er von April 1934 bis Ende März 1935
als Hilfsprediger der
ev.-ref Gemeinde Frankfurt am Main tätig. Dann kehrte er als 2. Pastor
neben Pastor Peter Schumacher wieder in die Gemeinde Uelsen zurück.
Gegenüber dem Nationalsozialismus verfolgte die reformierte
Kirchenleitung in Aurich damals einem strikten Neutralitätskurs. Bernds,
der schon vor 1933 Kontakt zu Gruppen hatte, die dem Nationalsozialismus
kritisch gegenüber standen, schloss sich dem Kreis um den Schüttorfer
Pfarrer Friedrich Middendorff an, der zum führenden Kopf der
Bekenntnisgemeinschaft der Pastoren der ref. Kirche Hannovers geworden
war. Die Angehörigen dieses Kreises wagten durchaus offene Worte. |
|
In
der Gemeinde Uelsen geriet Bernds durch seine Haltung gegen den
Nationalsozialismus und besonders in der Judenfrage bald in große
Schwierigkeiten. Auch das Verhältnis zu seinem Amtsbruder Peter
Schumacher litt sehr, da sich Schumacher aufgrund seines theologischen
Verständnisses von der Rolle des Staates politischer Äußerungen
enthielt. Aufgrund einer Denunziation wurde Heinrich Bernds verhaftet und
durch ein Sondergericht in Celle im November 1940
zu 18 Monaten Gefängnis wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz
verurteilt. Es folgte ein kirchliches Dienststrafverfahren, das mit der
vorläufigen Amtsenthebung endete. Die weitere Dienstausübung wurde ihm
ebenso untersagt wie der Aufenthalt in seiner Gemeinde nach der Entlassung
aus dem Gefängnis. Der Vater von 3 Kindern meldete sich daher zum Dienst
in der Wehrmacht. Ein letztes Lebenszeichen datiert vom 9. April 1945 aus
dem Kurland, seither gilt er als verschollen. Am 31. Dezember 1945 wurde
er für tot erklärt.
|
|
In
einem Brief, der im Februar 1939 über die Niederlande an Karl Barth
gelangte, beklagte Heinrich Bernds die offizielle Haltung der reformierten
Kirche:
"Zu den
Judenverfolgungen hat Aurich (...) nichts gesagt. - Aber einzelne Pastoren
haben aber immerhin doch noch offen Stellung bezogen. (Brief vom 6.
Februar 1939, Karl Barth-Archiv Basel). Heinrich Bernds hat diese offene
Stellungnahme mit dem Verlust seines Amtes und letztlich mit dem Verlust
seines Lebens bezahlt. |
|
Quelle:
Karl Koch im Biographischen-Bibliographischen
Kirchenlexikon |
|
zurück |