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Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte |
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Die Chronik des 2. Weltkrieges in Neuenhaus |
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Der Neuenhauser Lehrer Ludwig Sager fertigte während des 2. Weltkrieges Aufzeichnungen zur persönlichen und familiären Erinnerung. Aus diesen Texten entstand ein Beitrag für das Jahrbuch der Heimatvereins 1955, in dem er die letzten Monate des Krieges beschrieb, sowie ein Text im folgenden Jahr 1956, der die Ereignisse der Jahre 1939 bis 1944 festhielt. Hier der zweite Teil über des Jahres 1941 in einer wörtlichen Wiedergabe mit leichten Kürzungen. |
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1941 11. 1. 1941: Vorige Nacht hatte ich Wache im Rathaus, auch eine vom Krieg bestimmte Maßnahme: 6 Mann Nachtwache. Streifen durch die nächtlichen Straßen, ob ein Lichtschein durch die Fensterritzen dringt. Und dann: Skat im Wachlokal. 14.2.1941:
Wieder kalter Winter, in diesen Tagen minus 14°. 31.3.1941:
Es liegt was in der Luft. Viele Aushebungen. 11.
4.1941: Vom 9. auf den 10. lebhafte Fliegertätigkeit über Neuenhaus. Scheinwerfer
fassten einen nach dem andern, im Strahlenbündel leuchtete dann
plötzlich der Flieger wie ein heller Stern auf; 10, 12, 15 helle Linien schneiden
sich oben in einem Punkt - da ist er! Sie lassen ihn nicht mehr los, 22.
6.1941: Unsere
Generation muss weiter durch alle Tiefen: nun haben wir
auch noch Krieg mit Russland. Heute aus der Frühkirche kommend, hörten wir
davon. Viele ernste Gesichter, alle sind erschüttert. 3.7.1941: Vom
Jungen an der Ostfront immer noch keine Nachricht. Da fiel
Hindrik Aalert, der Hoferbe, acht Jahre war er mein Schüler. 8.
7.1941: Heiße
Tage, Wiesen und Weiden liegen dürr und trocken, besonders an der Vechte. Getreide reift ohne volle Frucht, Kartoffeln
setzen schlecht an. Münster
hat in der Nacht auf den 7. Juli sehr gelitten. Die Verwandten flüchteten zu uns. 11.
7.1941: Nach
unruhiger Nacht mit Bombeneinschlägen am 9. Juli
früh um 5 Uhr lärmte das Brandhorn: alle verfügbaren Leute
sofort abgeworfene Brandplättchen
suchen. Meine Abteilung, mit Eimern und Feuerzangen bewaffnet,
suchte die Dackhorst ab. Wir hörten von Waldbränden. Nachmittags Kartoffelkäferkontrolle
in den Außenbezirken. Am andern Morgen: Schule sammelt ab sofort
abgeworfene Flugblätter. 13.
7.1941: Nach der Dürre kam heute, Sonntag, der erlösende Regen. Mensch
und Tier atmeten auf. 5.8.1941:
Im Osten hat's doch manchen
lieben Jungen getroffen, jetzt den
stillen Bernd Brookhuis aus Brecklenkamp, Fritz Börgeling von hier, dessen Verlobung
in der letzten Silvesternacht wir tüchtig feierten, einen Neffen aus Oberhausen.
- Getreide, Kartoffeln und Hackfrüchte erholten sich. 22. 8. 1941: An Stelle des im Juni verstorbenen Schulrates Schweer hat der pensionierte Schulrat Valentin den Aufsichtsdienst wieder übernommen. 28.
8. 1941: Besuch von nahen und
fernsten Verwandten, die bei uns das Land
Gosen sehen, wo Milch und Honig fließt, Eier, Butter und Speck. Ich bin viel unterwegs, wie die vielen städtischen Hamsterer, Essbares
aufzutreiben. Oft zur Jagd, Wild für die nächsten Angehörigen.
Es geht viel in die Städte. 20.
9. 1941: Unser
Sohn kam glücklich von Russland zurück. Grundlose Wege dort, daher die Stockung, die Kriegsmaschine hat sich festgefahren. Viele
Opfer zu beklagen, ich nenne heute Aug. Tharner, Fr.
Drees von hier und den Nachbarsohn Joh. Gerritzen aus Lage, tüchtige
Kerle. 28. 9.
1941: Am 23. späte
Heimkehr von der Jagd in Piccardie. Die Luft dröhnte von Bombeneinschlägen. G. B. machte dabei schweren Sturz.
Rippenbruch. 10.10.1941:
Oktober- und Jagdtage. Wir Jäger
haben es schwer, die vielen
Bekannten mit Wild zu versorgen. - Lage betrauert den jungen Georg v.
d. Veen-Liese, der beim ersten Einsatz fiel. 16.10.1941:
Ferien wegen verspäteter
Kartoffelernte um 8 Tage
verlängert, die schulischen Belange kommen immer mehr ins
Hintertreffen. 21. 11. 1941: USA rüsteten, ließen das Neutralitätsgesetz fallen und scheinen zum Krieg entschlossen. Der Winter setzte außergewöhnlich früh ein, schon am 15. 11. liefen die Kinder Schlittschuhe. Und die Stimmung? Hier im Grenzgebiet wird sie teilweise beeinflusst von den Menschen jenseits der Grenzsteine. Da sieht's schlimm aus. Holland spürt nun den Krieg am eigenen Leibe, Hunger wühlt das Volk auf. 11. 12.1941: Seit heute Kriegszustand mit den USA. Japan schlug vor drei Tagen gewaltig zu. Der Weltbrand! Die Jugend weiß nicht, welchen Weltmächten wir gegenüber stehen. Wir Alten sind mit diesem Wissen belastet. 21.12.1941: Generalstabschef
Brauchitsch musste gehen, Hitler übernahm den Oberbefehl. Warum?
Da ist vieles dunkel. |
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Quelle: Jahrbuch des Heimatvereins Grafschaft Bentheim 1956, bearbeitet von Georg Kip, Bentheim o. J., S. 108 - 125 |