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1942
19.1.
1942: Der russische Winter
fordert viele Opfer, man hört von zahlreichen Kranken und
Verwundeten, von erfrorenen Gliedern.
27.1.1942:
Sibirischer Winter schon seit
Wochen, vorige Nacht minus 26°. Wir hören von Kältetragödien im
Osten.
10. 2.
1942: „Auf ein frohes
Wiedersehn! ", so schloss Dietrich v. d. Bosch' letzte Karte
— nun liegt auch „Bos-Dietze" in russischer Erde.
10. 3.
1942: 4. März heftiger
Schneesturm, am 7. März
zogen noch die Schwäne; ab 9. März Tauwetter,
heute die ersten Stare.
Viele
Schiebergeschäfte an der Grenze. Das Gerichtsgefängnis sitzt voller
Schwarzhändler, große Erregung überall.
Schule:
„Kohlenferien".
28. 4.
1942: Ob
schon eine Generation es zweimal erlebte, dass die Glocken in
den Krieg zogen? Heute wurden sie hier, wie auch anderwärts, abgenommen.
Es soll darüber nicht berichtet werden.
Am
24. kam
ein Brief an den Sohn zurück mit dem Vermerk: „Andere Anschrift
abwarten."
Beängstigend
das lange Warten.
8.5.1942: Immer
noch windig und trocken. Der Roggen steht schlecht. Brot-,
Fett- und Fleischrationen schon herabgesetzt: Brot 1500 g die Woche, Fett, Butter: 125 g, Margarine 125 g, Speck: 62 1/2 g.
17.5.
1942: Die
Sorge um den Sohn drückt; auch das Rote Kreuz konnte nichts in
Erfahrung bringen.
24.6.
1942: Nun hat
sich doch der Vorhang ein wenig gehoben, der sich vor
dem Rätsel um den Sohn ausbreitete. Am 19. Februar
ist er in Eis und Schnee vermisst,
ist nachts bei einem Rückzugsgefecht schwerverwundet liegen
geblieben, auf keinem Verbandsplatz eingetroffen. Keiner weiß um die letzte
Stunde.
In der Nacht
zum 20. 6. nach einem Großangriff auf Osnabrück, in Bimolten ein Bomber
abgeschossen, 7 Tote.
5. 7.
1942: Nacht
vom 2. auf den 3. 7. Angriffe
auf Bremen; Fliegerkämpfe und
mehrere Abschüsse beobachtet, leuchtende, fallende Kugeln, die hoch in der
Luft zersprangen. Über Bimolten und Hoogstede war's wohl. Brennende Leuchtschirme.
Die ganze Nachbarschaft ist dann auf den Beinen, keiner will sich
den Feuerzauber am Himmel entgehen lassen.
10.
7.1942: Von
der Ostfront kommend, besuchte mich diese Tage ein ehemaliger
Schüler, L. E. aus Lage. Er war immer ein frischfröhlicher Junge gewesen.
Stockend erzählte er von den Winterkämpfen in Russland. Welch hartes,
ernstes Gesicht, wie schmal jetzt der Mund und stechend die Augen, die
das Inferno sahen!
27.7.1942: Ein
alter Lehrer trägt vieler Leid mit. In Lage Gedächtnisfeier
wegen Friedrich Oldegeerts, hörte, dass auch Albert E. gefallen ist, der Bruder des
am 10. 7. Genannten.
2. 8.
1942: Seit
Tagen geht das Gerücht, der Lehrer Paul Koopmann von unserer
Schule sei gefallen. Seine Frau und Kinder neben uns ahnen nichts, es
liegt wie ein Alp auf uns.
5.
8. 1942: Nun traf die amtliche Bestätigung ein, Major Koopmann gefallen.
Wir tragen es als Freunde und Nachbarn mit.
27.9.1942: Einschränkungen
überall. Keine Spirituosen, kein Bier, nur bierfarbige Getränke. Kein
Papier, in der Schule fehlen die Hefte. Tee und Kaffee zuweilen im Schwarzhandel über Holland, Tee zuletzt 112 RM,
Kaffee das Pfund 70 RM bezahlt.
Holländische Freunde kann ich mit Tabak und gelegentlich
mit Weißbrot versorgen, seit drei Jahrzehnten war's umgekehrt. Das Preisstoppgesetz
bei den zwangsbewirtschafteten Artikeln wie Brot u. a. wirkt sich
bestens aus, überhaupt die ganze Verteilung auf Karten, vielfach geringe
Mengen, aber sichere.
25.
9. 1942: Ringen
um Stalingrad, um jedes Haus, jeden Bunker, ähnlich wie 1916 bei Verdun. - In Feld und Garten Zeit der Reife und Ernte. Die
Mutter
Erde gibt von ihrer Fülle, wieder füllen sich Keller und Speicher. Im
eignen Haushalt spüren wir kaum wirkliche Entbehrungen; wir können noch helfen,
wo die Stadt Not leidet.
7.10.
1942: Kommt
man wie gestern an einem solchen Spätsommertag nach Wilsum, an einem in der warmen Sonne unter den Eichen liegenden Hof
vorbei wie der Schoneveldsche, deucht's mir unwahrscheinlich: gibt's noch solchen
Frieden in der Welt? Die Nacht darauf rege Fliegertätigkeit, starke Einflüge,
mehrere Abschüsse, im Osten und Westen flammte plötzlich der Himmel
auf, starke Explosionen.
21.10.1942: Kämpfe
um Ruinen und Betonklötze in Stalingrad. Gerüchte wollen
von Waffenstillstandsbedingungen mit den Russen wissen, die bei den
Verbündeten vergebens die 2. Front als
Entlastung verlangten. Als gefallen gemeldet meine Schüler Gerrit Baals und Marinus
Bossemeyer.
1. 11.
1942: Am 22. und 23. 10. 1942 kamen über Tag englische
Flieger und beschossen die Bahnhöfe in Ringe und Emlichheim. Es fielen
Bomben in Nordhorn und Suddendorf, zum Glück
meist Blindgänger. Gehört das auch zur Front?
8. 11.
1942:
Optimisten
gibt's auch noch. Eine mir bekannte, sesshafte Familie hatte den
Plan auszuwandern, um in den besetzten Gebieten, in Shitomir, eine gute
Stellung einzunehmen. Ich habe mir den Mund warm geredet, um sie davon
abzubringen.
24.12.1942: Wieder
Weihnachtsabend, die Glocken läuten. Vom Rundfunk:
„O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!" Da tobt's im Menschen, das Herz begehrt auf und möchte sagen: Alles Hohn! Da
spielt ein kleiner Junge, dessen
Vater die russische Erde schluckte. Und die Furie
rast weiter. Und wie ist's mit der gepriesenen Volksgemeinschaft? Hat sie
nicht durch den Kulturkampf dieser Jahre einen unheilbaren Riss erhalten?
31.12.1942: Der
Russe greift im Donbogen schwer an. Stalingrad mit der 6. Armee
abgeschnitten. Was wird das Jahr 1943 bringen?
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