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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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"Wir
helfen siegen"
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Johanna
V. (geboren 1929) wohnte in Ohne und besuchte 1942 die 6. Klasse an der
Mittelschule in Schüttorf. Am 4. Mai 1942 schrieb sie diesen
Hausaufsatz. Sie war damals 12 Jahre alt. Der Aufsatz macht deutlich,
wie sehr das Denken und das Leben der Kinder auf den Nationalsozialismus
und den Krieg ausgerichtet war. Der Vater war Lehrer, die Eltern
bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof. |
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Seit
einigen Monaten ist mein Vater eingezogen. Er ist zum Glück nicht in Russland,
sondern muss am Rhein Gefangenenlager kontrollieren. Als er einmal
Sonntagsurlaub hatte, hat er uns viel erzählt. Schlimmer haben es die Soldaten
in Russland. Viele müssen ihr Leben fürs Vaterland opfern. Ich denke schon
lange: "Wie kann ich mich wohl nützlich machen?" Denn wenn die
Soldaten sogar ihr Leben für uns hingeben, können wir wohl ein wenig helfen,
dass Deutschland den Krieg gewinnt.
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Im
vorigen Sommer sammelten wir Heilkräuter, woraus Tee gemacht wird. An
einem Nachmittag gingen meine Freundin und ich los uns sammelten
Holunderblüten. Im Hause legten wir sie schön auf Papier auf den
Boden. Nach einigen Wochen waren sie trocken. Dann gaben wir an einem
bestimmten Tage alles Gesammelte in der Schule ab. Von dort wurde es zur
Hauptsammelstelle gebracht. |
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An
einem anderen Tag wurden wir in der Schule aufgefordert, Spinnstoffe zu
sammeln. Als alle Vorbereitungen getroffen waren, machten wir uns auf
den Weg. Wir mussten zu sehr vielen Leuten gehen. Einige hatten viel,
andere aber nur wenig. Wir trösteten uns mit dem Sprichwort: "Viel
Wenig macht ein Viel", und zogen vergnügt weiter, bis wir in allen
Häusern gewesen waren, die auf unserer Liste standen. |
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Einmal im
Monat müssen wir auch Altmaterial sammeln. Alles, was wir finden, nehmen wir
mit. Unter Altmaterial verstehen wir Lumpen, Eisen, Knochen, Papier, Blech und
Aluminium. Dies geben wir dann in der Schule ab. Der Lehrer schreibt alles genau
auf, denn wir bekommen Geld dafür. Auch im J.M. (Jungmädelbund) sammeln wir
Altmaterial.
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An einem schönen
Nachmittag im Herbst fragte meine Mutter mich, ob ich wohl beim Kartoffelsuchen
helfen könnte, da wir nicht viele Arbeitskräfte hätten. Schnell zog ich mir
Holzschuhe und altes Zeug an, nahm einen Korb und ging zum Acker. Ein Mann
rodete die Kartoffeln aus und wir sammelten. Dabei wurden viele Witze erzählt.
Als wir nach einiger Zeit hörten, dass es Kaffee gäbe, wollte jeder zuerst
fertig sein. Nachdem wir uns mit den leckeren Butterbroten gestärkt hatten,
suchten wir noch bis zum Abend. Dann bedeckten wir alle Haufen mit
Kartoffelstroh. Noch sechs Tage ging das so weiter, bis wir alle Kartoffeln
geerntet hatten.
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In der Zeit des
Nationalsozialismus wurden auch Kinder und Jugendliche für die Ziele des
Regimes eingespannt. Dazu gehörte das Sammeln von Altmaterial und Heilkräutern
in den Schulen ebenso wie Einsätze der "Hitlerjugend" (HJ) oder des
"Bundes deutscher Mädel" (BDM) in der Ernte oder bei sonstigen
Gelegenheiten. Dieses Foto zeigt Angehörige des BDM bei einem Ernteeinsatz in
Brandenburg im September 1939 - Bild: Bundesarchiv
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Zur Zeit des
Roggensäens fuhren mein Onkel und ich zum Acker und bereiteten ihn für die
Saat vor. Als mein Onkel alles fertig gelegt hatte, durfte ich das Land eggen.
Er selbst walzte und dann eggte ich noch einmal. Nun musste ich hinter der
Sämaschine hergehen und darauf achten, dass das Korn gleichmäßig aus den
Röhren lief. Nach etwa zwei Stunden waren wir fertig. Auf dem Rückweg durfte
ich auf der Walze nach Hause fahren. ...
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Manchmal
nähen wir Taschentücher für die Soldaten. Im Jungmädelbund hören wir viel
von Adolf Hitler. An einem Nachmittag luden wir alle kleinen Kinder ein. Wir
führten ein Märchenspiel auf, sangen Lieder und verteilten die gebastelten
Geschenke. ...
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Oft helfe ich
meiner Mutter im Hause. Am meisten half ich in den Kohleferien ... Zuerst musste
ich morgens die Betten machen, dann die Hühner füttern und den Kühen Wasser
geben. Nachmittags handarbeitete ich und abends bereitete ich das Abendessen.
Eines Tages besuchte meine Mutter meinen Vater für drei Tage. Mein Brüderchen
und ich waren allein zu Haus. Ich musste früh aufstehen. Schnell aß ich ein
wenig und machte mich an die Arbeit.
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Zuerst
versorgte ich das Vieh. Dann säuberte ich einige Zimmer. Darüber wurde es
allmählich Mittag. Mein Brüderchen hatte sich inzwischen auch schon angezogen.
Nun machte ich das Mittagessen. Es gab Kartoffeln, Soße, Birnchen und Pudding.
... Um sieben Uhr war ich endlich mit allem fertig.
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So können wir
Kinder jetzt im Kriege viele Arbeiten verrichten und so mit unserer Kraft dazu
beitragen, dass unser Vaterland siegreich aus diesem Kampf hervorgeht.
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Quelle: Heinz-Georg Volkers, Originalton
aus der Kriegszeit: Aufsätze einer Schülerin der Mittelschule Schüttorf aus
den Jahren 1942 bis 1944, Bentheimer Jahrbuch 2007, Bad Bentheim 2006, S. 165 -
170
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