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Die
Grafschaft Bentheim in der Geschichte
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Flucht
aus Ostpreußen
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von Pia und Marlene
R. aus der Klasse 5 c des Burggymnasiums Bad Bentheim, Ergebnis einer Befragung im
Rahmen des Internetprojektes "Zeitzeugen"
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Während des zweiten
Weltkrieges wurden wir aus unserer Heimat Ostpreußen vertrieben. Am 21.1.1945
floh ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern von Eichenwalde–Mittenheide
auf Soldatenwagen zum Bahnhof nach Niedersee. Mit dem Zug fuhren wir von dort über
Bartenstein nach Stablack bis wir in Leisunen ankamen.
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In einem Treck von
Planwagen mussten wir über das zugefrorene Frische Haff. Die meiste Zeit
mussten wir laufen und da es bitterkalt war, haben wir alle sehr gefroren. Es
gab auch Menschen, die im Eis eingebrochen und gestorben sind. Wenn wir Glück
hatten, wurden wir von Soldaten auf Wagen mitgenommen. Manchmal gab es am Rande
des Haffs ein Feuer und wir konnten uns ausruhen und uns ein wenig die Füße wärmen.
Zu essen gab es nur trockenes Brot und kalte Suppe. Wir verbrachten zwei Tage
und eine Nacht auf dem Haff bis wir in Neutief ankamen.
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Über
das Frische Haff (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2006) flohen viele
Menschen im Winter 1944/45 - Bild: GBiU
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Von Neutief ging der
Treck weiter nach Pillau und von dort nach Neuhäuser, wo wir von Februar bis
Mitte April 1945 in einer alten Schule bleiben konnten. Am 12. April 1945
mussten wir von Neuhäuser zurück nach Pillau, weil wir von dort aus mit dem
Transportschiff „Lappland“ weiterreisen sollten nach Dänemark. Nach 4
Tagen, am 16. April 1945, kamen wir in Kopenhagen an. Wir haben Glück gehabt,
denn das Schiff „Wilhelm Gustloff“, das bereits früher nach Dänemark
abgefahren war, hatte sein Ziel nicht erreicht und war mit vielen Flüchtlingen
untergegangen . |
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Die
zerstörte Marienburg in Ostpreußen 1945, Darstellung auf einer
Bildtafel an der Marienburg 2006 - Bild: GBiU |
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Von Kopenhagen wurden
wir auf die Insel Fühnen gebracht, wo wir in einer Schule untergebracht wurden.
Von der Insel Fühnen mussten wir nach Graske und von dort nach Aalborg, wo wir
am 10.5.1945, am Tag der Kapitulation, ankamen. Wir lebten bis Oktober 1948 in
einem Flüchtlingslager. Dort hatten wir zu essen und es gab ein wenig
Unterricht, aber keine Hefte und Schulbücher; geschrieben haben wir auf
Toilettenpapier. Da eine Tante von uns bereits in Bentheim lebte, wurden auch
wir Mitte Oktober 1948 dort hingebracht. |
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